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Metanarrativ – Die übergreifende Geschichte der Bibel als Brief 2/2

Weit gefehlt, Teil 2 seiner intendierten Wiederherstellung wird eingeleitet. Gott (der Vater) betritt in Menschengestalt (Jesus Christus, der Sohn) selbst die Bildfläche der Welt. Er taucht vollständig in die Lebenswirklichkeit seiner Geschöpfe ein. Er wird Mensch. In Jesus ist Gott selbst gegenwärtig. Er wird auch Immanuel genannt: Gott mit uns (Mt 1,23)! Sein Name ist Programm. Denn indem Gott selbst kommt, zeigt er erneut, dass er alles im Griff hat, dass er das Schiff schon schaukeln wird. Er wird uns, den Menschen, nicht aufgeben. Es kann noch gelingen, die Menschheit zurückzugewinnen. Doch wie?

Du erinnerst dich, auf Bundesbruch stand die Todesstrafe. Diese Schuld, hervorgerufen durch die Abwendung des Menschen von Gott, musste ein für alle Mal gesühnt (bzw. beglichen) werden. Ein einmaliges makelloses Opfer war nötig. Wir Christen glauben, dass dies mit dem Kreuzestod von Jesus geschehen ist. Aber warum? Nun, Jesus ist sozusagen der Prototyp des Menschen, wie Gott ihn sich ursprünglich gedacht hatte. Er ist derjenige, der im Unterschied zum Volk, dem Menschen, Gott in allem treu blieb. Er hielt den Staatsvertrag in jedem Punkt – zu 100%. Er ist das Vorbild schlechthin. Der Einzige, der Gott mit der rebellischen Menschheit versöhnen konnte, weil er perfekt war. Ein perfektes stellvertretendes Opfer. Gott gibt sich selbst, weil er uns so sehr liebt (Joh 3,16)! Das ist das Evangelium – die gute Nachricht. Doch damit nicht genug. Die Geschichte geht weiter. Es ist noch nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Epoche.

Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott greift nochmal ein! Er erweckt Jesus aus dem Tod zum neuen Leben – Auferstehung. Diese Auferstehung ist die Garantie dafür, dass wirklich etwas Neues angefangen hat. Doch dieses Neue bricht nicht sofort herein, sondern es entsteht in einem Prozess. Leid, Schmerz und Hass sind immer noch Teil der Realität, aber die Trennungskraft, welche sie zwischen Gott und Mensch hat, ist überwunden. Das Ziel, die komplette Aufhebung des Fluches, die von Gott gedachte Ordnung, ist noch nicht vollständig erreicht. Doch Gott wird seine Sache zur Vollendung bringen. Die Zukunft dieser Welt ist nicht einem blinden Schicksal überlassen. Das angedachte Ziel wird realisiert werden. Es wird eine Neuschöpfung von Himmel und Erde geben (vgl. Off 21). In dieser Neuschöpfung wird die Vergänglichkeit, die verdorbene Realität endgültig überwunden sein. Die Ungerechtigkeit dieser Welt, das überwältigende und unvorstellbare Maß an Not und Leid wird der Vergangenheit angehören. Friede wird nicht länger nur eine soziale, politische Fantasievorstellung sein. Die Schöpfung, der Mensch wird auf ewig vereint sein mit dem Schöpfer, dem Urgrund allen Seins. Das ist die große Wiederherstellung. Das Grande Final. Doch wann wird es soweit sein?

Wenn Jesus wiederkommt. Bevor er wieder von der Bildfläche verschwand, versprach er zurückzukommen und zu Ende zu bringen, was in ihm bereits begonnen hat. Dann wird der Zustand aus der Offenbarung, wie gerade beschrieben, Wirklichkeit. Wir sind mit Gott vereint – in Ewigkeit. Der Tod wird nicht mehr existieren. Jetzt leben wir quasi noch in einer Zwischenzeit. Doch diese Zwischenzeit ist nicht fruchtleer. Schon jetzt können wir teilweise so leben, wie Gott es sich immer gedacht hat – versöhnt mit ihm, in Gemeinschaft, als neues Bundesvolk, als Gemeinde. Die ist allerdings nicht mehr definiert über eine Ethnie, sondern umfasst alle Menschen, jede Nation, jede Rasse, jede Kultur. Es geht nicht mehr um Abgrenzung, sondern um grenzenlose Integration. In Jesus sind alle trennenden Mauern, seien sie kultureller, nationaler oder traditioneller Art, eingerissen worden. Ein Jeder ist eingeladen Teil dieser Gemeinschaft zu sein, wie sie von Gott schon immer gewollt war. Doch damit diese neue Gemeinschaft entstehen kann, muss bei jedem einzelnen Menschen etwas geschehen. Es braucht wie damals schon eine Bekehrung, eine Hinwendung zu Gott, eine Anerkennung, dass er der Anführer unseres Lebens ist. Der Ruf der unbequemen Prediger halt nach! Es gilt, wie damals auch schon, seiner Weisung – Liebe Gott UND deinen Nächsten von ganzem Herzen – kategorisch zu folgen. Dementsprechend braucht es neben der primären Hinwendung zu Gott, auch eine ebenso wichtige Hinwendung zum Mitmenschen. Die neue Gemeinschaft ist kein Haufen erlöster Individualisten. Wo vorher das ICH vergöttert wurde, breitet sich jetzt ein Gemeinschaftssinn aus. Selbstbezogenheit verwandelt sich in Selbstlosigkeit, Selbstverliebtheit in Nächstenliebe, Egoismus in Altruismus – zugegeben: Sollte es. Jesus ist uns hier das Vorbild. Wir sind aufgerufen, seinem Lebenswandel zu folgen. Das Problem? Kein Mensch schafft es zu 100%. Wir können es aus unserer eigenen Kraft heraus nicht. Es wäre der Versuch, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Die uns nach wie vor innenwohnende Tendenz zur (Selbst-) Zerstörung, bedroht das zarte Pflänzchen – die neue Gemeinschaft – immer wieder zu vernichten. Ist Gottes Plan hiermit endgültig zum Scheitern verurteilt? Der Traum ausgeträumt? Das scheinbar in Christus angebrochene Neue, nur eine unerreichbare Utopie?

Nun, ein Blick in die Geschichte und die Gegenwart, gibt, wenn wir ehrlich sind, ein eindeutiges Bild ab: das Ziel ist (bei Weitem) noch nicht erreicht. Doch bevor Christen als Träumer und Utopistin abgestempelt werden können, sollten wir nochmal auf Jesus schauen. Denn bevor er von der Erde verschwand, versprach er nicht nur einst wiederzukehren, sondern auch, dass Gott erneut kraftvoll eingreifen wird (vgl. Apg 1,8). Und hierin liegt der Schlüssel. Die neue Gemeinschaft unter Menschen, aber auch das Versöhntsein mit Gott, ist kein Produkt menschlicher Bemühung oder Anstrengung. Das Neue, der Mensch kann und muss es nicht alleine schaffen. Darum sendet Gott sich noch einmal selbst. Gott mit uns, jetzt aber von innen heraus. Wieder signalisiert er: Ihr seid nicht alleine! Ich bin euch Beistand und Kraft. Eine innere Realität. Gott IN uns! Mit dieser Kraft, durch Gottes Geist, den Fürsprecher, wird der Mensch verändert und zu einer neuen Gemeinschaft befähigt. Der Fürsprecher – hier klingt an: Gott ist FÜR den Menschen. Gott verspricht, wenn wir ihm vertrauen, für alles zu Sorgen. Wo der Mensch anerkennt, dass er Gottes Beistand, seine Kraft benötigt, da, und nur da, kann das zarte Pflänzchen zu einem starken Baum heranwachsen. Und mag der Baum noch so geplagt sein von unerträglicher Dürre, gepeinigt vom stürmischen Wind, so lange sein Wurzelwerk nicht fault, bleibt er standhaft. Dieses Bild impliziert auch, dass das Neue nicht augenblicklich und total hereinbricht. Es entsteht in einem Prozess. So wie der Baum wächst, wachsen auch wir Menschen. Dieses Wachstum, obwohl wir mit Gott versöhnt sind, ist häufig auch mit Schmerzen verbunden und verläuft gewiss nicht einwandfrei. Und auch wenn vieles eher nach einem unscheinbaren Pflänzchen ausschaut, so wohnt ihm doch das Potenzial eines Baumes inne. Manchmal können wir sogar jetzt schon die Schönheit eines blühenden Baumes im aufkeimenden Pflänzchen ansatzweise Erahnen und Erkennen. Gottes Beistand, der Fürsprecher ist die Garantie einer zukünftigen Vollendung.

Diese Gewissheit prägt die Lebenseinstellung von Christen schon heute und lässt sie tätig werden. Sie werden sich jetzt schon dafür einsetzen, dass Ungerechtigkeit jeglicher Art Einhalt geboten wird, ohne dabei in einer Weltverbesserungsillusion zu verfallen. Trotz der Tatsache, dass die Welt weit entfernt davon bleiben wird, ein perfekter Ort zu sein, stellt sich keine Gleichgültigkeit ein. Das Warten auf die große Vollendung, den neuen Himmel und die neue Erde, soll dem Warten eines Mannes gleichen, der seinen Kollegen bittet, seine Frau vom Flughafen abzuholen und während er ihre Ankunft kaum erwarten kann, bemüht er sich voller Leidenschaft, ihr ein vortreffliches Zuhause vorzubereiten, damit sie sich freut. Wie bereits ganz zu Anfang erwähnt, ist der Mensch beteiligt an Gottes Aktion. Der Mensch spielt in dieser Geschichte keine passive Rolle oder verkommt zur Nebensache, nein, er soll ein Akteur, ein Mitwirkender sein. Wir sind eingeladen ein aktiver Teil dieser großen Geschichte zu sein. Die Frage ist: Wer lässt sich einladen?

Gerne stehe ich dir für Rückfragen zur Verfügung. Ich freue mich, von dir zu hören.

Liebe Grüße

Chris Otten

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Dr. Debo

    Du bist der coolste Typ überhaupt. Danke für deine Weisheit und deinen Grips. #dufuchs

  2. Aaron

    Hammer, mach weiter so! Bin schon auf den nächsten Post gespannt.

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